Pflegestärkungsgesetz - Was ändert sich 2017?


Ab 01.01.2017 wird der Begriff der Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung neu definiert. Es sind dann Personen pflegebedürftig, wenn sie dauerhaft gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder ihrer Fähkigkeiten aufweisen und deshalb Unterstützung benötigen. Bisher orientierte sich die erforderliche Hilfe am Zeitaufwand. Nun ist der Grad der Selbständigkeit maßgebend, der für die Zuordnung zu einem der fünf Pflegegrade ermittelt wird. Die Hilfe muss voraussichtlich mindestens sechs Monate erforderlich sein.

Welche Kriterien sind zur Pflegeeinstufung ab 01.01.2017 maßgebend?

Für die Beurteilung und Einstufung in einen Pflegegrad werden nach einem Punktesystem bis zu max. 100 Punkte vergeben. Dabei erfolgt die Einschätzung anhand von Lebensbereichen, die unterschiedlich gewichtet werden. Die jeweilige Gewichtung ist in der Grafik notiert, z.B 15%. Folgende 6 Lebensbereiche sind definiert und werden betrachtet:

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen/Belastungen
  • Bewältigung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Von den Lebensbereichen "kognitive und kommunikative Fähigkeiten" sowie "Verhaltsnweisen und psychische Problemlagen" geht das Modul mit den meisten Punkten in die Endsumme zur Ermittlung des Pflegegrades ein.

Zusätzlich sind Informationen zur Haushaltsführung und zu den außerhäuslichen Aktivitäten relevant. Diese zwei Bereiche fließen jedoch nicht in die Ermittlung des Pflegegrades ein.

Welche Pflegegrade gibt es?

Ab 01.01.2017 gibt es 5 Pflegegrade. Sie sind folgendermaßen definiert und mit einer gewichteten Gesamtpunktzahl aller 6 Lebensbereiche hinterlegt.

Pflegegrad 1 – geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)
Pflegegrad 2 – erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)
Pflegegrad 3 – schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)
Pflegegrad 4 – schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)
Pflegegrad 5 – schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die    
                            pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte)

Wie erfolgt die Umwandlung von der Pflegestufe in den Pflegegrad?

(eigene Darstellung)

Alle Pflegebedürftigen, die am 31.12.2016 in eine Pflegestufe haben, werden auf das neue System der Pflegegrade automatisch umgestellt. Dazu gibt es folgende Vorgehensweise:

Überleitungsschema

Pflegebedürftige ohne eingeschränkter Alltagskompetenz
    Pflegestufe + 1 = Pflegegrad     (einfacher Stufensprung)

Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz
    Pflegestufe + 2 = Pflegegrad     (doppelter Stufensprung)

Ihre Pflegekasse informiert alle Versicherten mit einer Pflegestufe bis Ende 2016 schriftlich über den neuen Pflegegrad und die entsprechenden Leistungsansprüche ab 01.01.2017.

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